KOMPRESSIONSTHERAPIE

Versorgung mit Kompressionsstrümpfen

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind ein medizinisches Hilfsmittel bei Venen-, Lymphatischen- und Lipödem-Erkrankungen. Für eine richtige Einschätzung der unterschiedlichen Beschwerden und Krankheitsbilder sollte eine Kompressionstherapie immer zuvor mit einem Arzt abgesprochen werden, da bei einigen Erkrankungen eine Kompressionstherapie nicht angewendet werden darf. Der Kompressionsstrumpf wird so gefertigt, dass der Druck von unten nach oben abnimmt. Man unterscheidet den Kompressionsstrumpf, entsprechend seiner Herstellungsweise, in Rund- und Flachgestrickte Strümpfe.

Ziel der Kompressionstherapie ist die Reduktion der durch Rückflussstörungen hervorgerufenen Druck- und Volumenbelastung im Venensystem. Ödeme und Schmerzen werden mit der Kompressionstherapie reduziert, die venöse Beinpumpe sowie die Mikrozirkulation werden verbessert. Kompressionsstrümpfe erzeugen von außen Druck auf das bestrumpfte Bein um das Venen- oder Lymphsystem zu unterstützen und zu entlasten.

 

Messung

Um wirksame, genau auf ihren Bedarf abgestimmte Kompressionsstrümpfe zu erhalten ist eine Vermessung der Beine oder anderer betroffener Körperstellen notwendig. Anhand der gemessenen Werte können maßgefertigte Strümpfe bestellt oder, je nach Art der Erkrankung, mit einem bereits konfektionierten Standard-Strumpf versorgt werden. Die Messung von Beinen erfolgt idealerweise mit weitestgehend entstauten Beinen morgens nach dem Aufstehen, oder nach einer gewissen Ruhezeit mit Hochlagerung der Beine.

Kompressionsklassen

Kompressionsstrümpfe werden in verschiedenen Kompressionsstärken gefertigt. Der Druck der auf die Fessel ausgeübt wird ist ausschlaggebend für die Kompressionsklasse (KKL) und wird im mmHg (mm Quecksilbersäule) gemessen. Kompressionsklassen werden nach verschiedenen offiziellen Normen definiert und der behandelnde Arzt verschreibt die KKL entsprechend der Symptomatik des Patienten.

Herstellungsarten und Materialeigenschaften

Rundgestrickte Strümpfe:

Rundstrickstrümpfe werden ohne Naht hergestellt und hauptsächlich bei Venenerkrankungen eingesetzt oder verordnet. Diese Kompressionsstrümpfe werden auf einem Zylinder und mit gleichbleibender Maschenanzahl über die gesamte Länge gestrickt. Die Weite dieses Strumpfes wird durch Veränderung der Maschengröße erreicht. Das Gestrick ist sehr dehnbar, hat aber somit nicht am gesamten Bein einen gleichbleibenden Druck.

Flachgestrickte Strümpfe:

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe mit Naht, werden Reihe für Reihe auf flach angeordneten Nadeln gestrickt und nach der Fertigstellung mit einer Naht zu einem Strumpf vernäht. Bei dieser Stricktechnik werden die Formveränderungen durch jederzeitiges Zu- und Abnehmen von Maschen ermöglicht. Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe können besser nach den Konturen eines Beines gestrickt werden. Das Gewebe dieser Strümpfe ist wenig dehnbar und übt daher am gesamten Bein einen gleichbleibenden Druck aus. Flachstrickstrümpfe werden bei Adipositas, Ödemen (Lymph- u.  Lipödemen) und Lymphabflußstörungen bei venösen Erkrankungen angewendet.

Produktinformation

Damit der Kompressionsstrumpf seine volle Wirkung entfalten kann, sollte er täglich nach dem Aufstehen angezogen und vor der Bettruhe wieder abgelegt werden. Kompressionsstrümpfe sollten nur nach ärztlicher Verordnung eingesetzt werden.

ANZIEHEN

Um das Anziehen zu erleichtern und Beschädigungen wie z.B. durch Schmuck oder Fingernägel zu vermeiden, werden am besten Gummihandschuhe und/oder eine Anziehhilfe benutzt. Die Kompressionsstrümpfe dürfen nicht mit fetthaltigen Salben, Cremes, Ölen o.ä. Substanzen in Kontakt gebracht werden. Hierfür gibt es spezielle Pflegemittel. Offene Wunden sollten vor dem Anziehen angemessen abgedeckt werden. Bitte den Kompressionsstrumpf beim Anziehen nicht am Rand hochziehen, sondern wie folgt anlegen:

 

a)  Kompressionsstrumpf bis zur Ferse "auf links" wenden. Eingeschlagenes Fußteil mit beiden Händen auseinander ziehen und bis zur Ferse über den Fuß stülpen.

b)  Kompressionsstrumpf Stück für Stück über Spann und Ferse streifen.

c)  Kompressionsstrumpf etappenweise nach oben ziehen und ihn so stückweise wieder "auf rechts" umschlagen.

d)  Anschließend den Strumpf wie bei einer Massage gleichmäßig mit beiden Händen verteilen, bis er faltenfrei anliegt. Hierbei ist das Tragen von Gummihandschuhen besonders hilfreich.

WASCHEN

Kompressionsstrümpfe nach Möglichkeit täglich, zumindest aber jeden zweiten Tag bis waschen. Es kann handelsübliches Feinwaschmittel ohne Weichspüler oder spezielles Waschmittel zur Pflege der Kompressionsstrümpfe verwendet werden. Die Waschtemperatur sollte maximal 30 °C betragen. Keine Waschmittelzusätze wie optische Aufheller, Weichspüler oder Fleckenmittel benutzen. Zum Trocknen den Kompressionsstrumpf in ein Handtuch wickeln und ausdrücken, aber nicht auswringen. Anschließend lose aufhängen und trocknen lassen. Das Gestrick nicht auf der Heizung, bei direkter Sonneneinstrahlung oder im Trockner trocknen.

Kompressionsstrumpfanziehhilfen

Je nach Strumpfart und benötigter Hilfe gibt es verscheidene Hilfsmittel die das An- und/oder Ausziehen von Kompressionsstrümpfen erleichtern. Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl eines geeigneten Artikels.

 

Prüfung des Anspruchs auf Kompressionsstrumpfversorgung

Als gesetzlich versicherter Kunde benötigen Sie eine Verordnung ihres Arztes, wenn Sie eine Kompressionsstrumpfversorgung über die zuständige Krankenkasse beziehen möchten.

In der Regel haben gesetzlich Versicherte bei den Krankenkassen alle sechs Monate Anspruch auf eine neue Kompressionsstrumpfversorgung (Bei einigen Kassen 2 x pro Jahr, unabhängig vom Monat der Versorgung. Eine Folgeversorgung ist dann erst nach Ablauf von 12 Monaten möglich). Dies resultiert aus dem Umstand, dass die Hersteller eine Wirksamkeit der Kompressionstrümpfe, bei regelmäßiger Anwendung, für mindestens 6 Monate garantieren (Je nach Pflege der Strümpfe können Haltbarkeit und Wirksamkeit aber durchaus länger andauern). Die Krankenkassen können sich vorbehalten den Zeitraum von sechs Monaten strikt einzuhalten. Es bestehen jedoch Ausnahmen:                   

• Einige Krankenkassen genehmigen bei einer Erstversorgung zusätzlich eine Wechselversorgung aus hygienischen Gründen, sofern diese explizit verordnet wird. Allerdings besteht nach Erhalt der Wechselversorgung ein weiterer Anspruch erst nach Ablauf von weiteren 12 Monaten.

• Je nach Art der benötigten Versorgung kann es sein, dass vor der Lieferung eine Genehmigung der Kostenübernahme der Krankenkasse vorliegen muss. Häufig ist aber eine sofortige Versorgung bei bestehendem Versorgungsanspruch auch vor Genehmigung möglich. Entsprechende Informationen erhalten Sie bei Vorlage einer gültigen Verordnung von unseren Mitarbeitern.

• Sollten Sie vor Ablauf der sechs Monate oder nach Erhalt von zwei Versorgungen pro Jahr weitere Kompressionsstrumpfversorgungen wünschen, muss vor Lieferung die Genehmigung der jeweiligen Krankenkasse eingeholt werden. In diesen Fällen ist es notwendig, dass der Arzt einen Grund für die benötigte Mehrversorgung auf dem Rezept vermerkt. Gründe hierfür können sein:

- Umversorgung z. B. von Knieversorgungen auf Schenkelversorgung

- Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme

- enormer Verschleiß durch starke Beanspruchung im Beruf

- Wechselversorgung aus hygienischen Gründen

Sollte die letzte Versorgung sechs Monate oder länger zurückliegen und befindet diese sich nicht in Klärung oder wurde abgelehnt, hat der Kunde in der Regel Anspruch auf eine neue Versorgung. Das Genehmigungsverfahren mit Ihrer Krankenkasse bearbeitet Luttermann gerne für Sie.

Beratung

Zur Vereinbarung eines Beratungstermins oder für Rückfragen zu einer konkreten Versorgung stehen Ihnen gerne unsere zum Thema spezialisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie hierzu unsere Service-Hotline unter der Rufnummer 02 01/8 20 50-888.